Das Spinnen als Handwerk stellt eine der ältesten Techniken der Menschheit dar. Verschiedene Quellen geben etwa 5000-9000 Jahre an, wobei weitaus ältere Funde darauf hinweisen, dass die Technik pflanzliche Fasern zu einem Strang zu drehen, sich noch viel weiter zurückdatieren lässt. Mit der Verarbeitung von Fasern zu Garnen ging eine deutliche Verbesserung der Lebensumstände einher- Felle konnten zu komplexeren Kleidungsstücken zusammengenäht werden, Netze geknüpft werden, die als Fallen dienten und Seile und Schnürungen erfüllten vielseitige Aufgaben.

Später wurde die Technik dahingehend verbessert, dass zunächst die Fäden auf Stöckchen gewickelt wurden. Die ersten Spinnwirtel lassen sich etwa 5000 Jahre zurückdatieren. Somit begleitet dieses Handwerk die Menschheit nicht erst, seit diese in der Jungsteinzeit sesshaft geworden ist. Handspindeln und einfache Webstühle prägten für eine lange Zeit die Textilherstellung.

Die Handspindel hat sich von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter als einziges Gerät zur Garnherstellung, weitestgehend unverändert erhalten und wurde erst ab etwa Mitte des 14. Jahrhunderts vom Schwungrad, einer frühen Form des Spinnrads abgelöst.

Die Handspindel an sich besteht aus zwei Teilen, dem Spinnwirtel und dem Spinnstab. Spinnwirtel bestanden vornehmlich aus Ton, konnten aber auch aus Glas, Holz und Stein gefertigt werden. Das Ausgangsmaterial für die Garnherstellung war pflanzlicher und tierischer Herkunft wie Wolle, Flachs und Seide. Das Gewicht der Spindel spielt für die Dicke des Garns eine bedeutende Rolle- je leichter der Wirtel, desto dünner das gesponnene Garn. Der Faservorrat wurde auf einem Rocken gelagert. Während die Spindel in einer Drehbewegung Richtung Boden zieht, wird mit Zeigefinger und Daumen der Vorrat vom Rocken gezogen. Die Drehbewegung der Spindel verzwirnt die Fasern miteinander und erschafft so einen stabilen Faden.

Mit einer überwiegenden Mehrheit wurde das Spinnen von Frauen ausgeführt und bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa die Spinn-Zunft in Köln, blieb dieses Handwerk zunächst auch im häuslichen Kontext verankert.  Vertreten war das Handwerk in allen Ständen, von der Edeldame bis hin zur Bäuerin- alle waren auf die Garnproduktion im eigenen Hause angewiesen. Einzig das verarbeitete Material unterschied die einzelnen gesellschaftlichen Gruppen voneinander; während Frauen niedererer Stände mit dem Spinnen einfacherer, für den Alltag nötiger Garne beschäftigt waren, blieben kostbare Materialien, wie beispielsweise Seide den höhergestellten Schichten vorbehalten.

Die Handspindel erlaubte eine große Flexibilität in ihrer Nutzung. Es ist möglich im Sitzen, Gehen, Stehen oder gar beim Reiten zu spinnen, drinnen oder draußen spielt keine Rolle und auch bei schlechteren Lichtverhältnissen kann eine geübte Spinnerin einen gleichmäßigen Faden hervorbringen. Auch für Schwangere und Frauen mit Kleinkindern war das Spinnen eine Tätigkeit, die sich mit körperlichen Einschränkungen oder der Pflege in Einklang bringen ließ. Es war leicht möglich die Spindel kurz abzulegen und einer anderen Tätigkeit nachzugehen. Bedenkt man, dass gesponnene Garne eine wichtige Grundlage der Textilverarbeitung darstellten, so kann davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um eine Tätigkeit handelte, die ausgeführt wurde wann immer es möglich war.

Mit der Einführung des Schwungrades im 14. Jahrhundert veränderte sich auch die weiterführende Textilverarbeitung- die Erhöhung der Garnmenge förderte schließlich auch die Produktion in den Weberreien.

   

 Quellen:

Pohl, Ulrike: Die spinnende Göttin- Die Spindel als Symbol in Geschichte, Mythologie und Märchen

Hempe, Mechthild: Kette und Schuss- die Tuchmacherei in Gruben

Poppolw, Marcus: Technik im Mittelalter